Jugendweihe

Die Jugendweihe (Jugendfeier) in der DDR

Als Jugendweihe bezeichnet man eine festliche Initiation, die den Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter kennzeichnen soll. Wie damals findet Sie noch heute im Alter von 14 Jahren statt. Die Jugendweihe in der DDR hatte eine große staatspolitische Bedeutung und galt als staatssozialistisches Fest.

Anders als heute war die Teilnahme an der Jugendweihe keine komplett freie Entscheidung. Wenn man sich bewusst dagegen entschied an dieser Zeremonie teilzunehmen, konnte dies schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. Beispielsweise wurde auf den Schüler als auch den Eltern Druck gemacht und mussten sich ellenlange Vorträge und Standpauken von Lehren und dem Direktor anhören. Zusätzlich konnte es im Extremfall passieren, dass man nicht zur Oberschule zugelassen wurde, oder gar ein Studiumsverbot erhielt.

Zumindest meine Eltern erzählten mir, dass sie niemanden aus ihren damaligen Schulen kannten, die die Jugendweihe verweigert hatten. Hauptsächlich lag daran, dass keiner den Folgen und Strapazen einer Weigerung aussetzen wollte.

Schon der Weihespruch, der auf keiner Jugendweihe fehlen durfte, machte prinzipiell deutlich, dass es doch „besser ist, sich dem System unterzuordnen“, wenn sie ein sorgenfreies Leben führen wollen.

Weihespruch:

Wollt ihr die Freiheit, so seid keine Knechte.
Wollt ihr das Gute, so schaffet das Rechte.
Wollt ihr die Ernte, so sichert die Saat.
Wollt ihr das Leben, so leistet die Tat.

 

Die Jugendweihe war der Gegenentwurf zur evangelischen Konfirmation und katholischen Firmung. Ebenfalls diente sie als Instrument zur Erziehung der Jugend im Sinne der marxistischen- leninistischen Weltanschauung der SED- Ideologie. Am 27.03.1955 fand die allererste Jugendweihe in Ost- Berlin statt und wurde ab 1958 durch die eingesetzten Maßnahmen der Regierung von Walter Ulbricht zur Zwangsveranstaltung.

Zur Vorbereitung auf die Jugendweihe mussten die Jugendlichen ein Jahr lang so genannte „Jugendstunden“ (insg. 10) besuchen. Diese beinhalteten Betriebsbesichtigungen, Vorträge über Sexualität und Politik, sowie Tanzstunden. Zudem wurden in diesem Unterricht die geschichtlichen Ereignissen verherrlichter Weise vorgestellt, die Schüler wurden zu Parteitreue erzogen (SED als notwendige Machtinstanz zur Sicherung von Frieden und Wohlstand) und wichtige Gedenkstätten wurden besichtigt.

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