Jugendorganisationen

FDJ – Plattform zur Freizeitgestaltung oder politisches
Instrument?
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Die sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) erließ 1945 ein Verbot für alle Jugendorganisationen. Die einzige Organisation, die gegründet werden durfte, war die Freie Deutsche Jugend (FDJ). Am 10. Mai 1945 erhielt Erich Honecker den Auftrag, das Grundkonzept für die Jugendarbeit der KPD (Kommunistische Partei Deutschland) zu erarbeiten. Honecker war zuvor Mitglied des Zentralkomitees des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands (KJVD) und brachte somit, die dazu benötigte Erfahrung mit. Ziel war es eine antifaschistisch-demokratische Jugendbewegung entstehen zu lassen, die von Jugendlichen aus allen Klassen, Schichten und gleich welche politische Einstellung sie hatten, getragen werden sollte.

Die Jugend sollte im Sinne einer sozialistischen Vorstellung umerzogen werden. Am 07. März 1946 erfolgte dann die Gründung der FDJ. Honecker sagte am 26. und 27. April 1946, dass es sich bei der FDJ nicht um eine politische Organisation, sondern um eine überparteiliche Organisation handele. Zu den Grundsätzen der Ziele gehörte: „ Der Wille [vereint] die Jungen und Mädel der Freien Deutschen Jugend durch gemeinsame Anstrengungen, die vom Nazismus verschuldete Not unseres Volkes überwinden zu helfen [und zum] Neuaufbau [ihrer] Heimat auf antifaschistisch- demokratischer Grundlage [beizutragen].“

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Am 26. Februar 1946 unterzeichnen Theo Wichert, Erich Honecker, Emil Ampft und Manfred Klein (v.l.n.r.) den Lizenzantrag für die Gründung der FDJ.

Nach der Stalinisierung der FDJ im Jahr 1948/49 wurde die Organisation politisch umgestaltet und musste den Anforderungen der SED entsprechen. Im Juni 1946 wählte der Zentralrat die Führungspositionen der FDJ. Obwohl die FDJ überparteilich sein sollte, erhielt man ein eindeutiges Ergebnis, denn es wurden nur zwei Funktionären der CDU (Manfred Klein: Abteilung für Kultur; Rita Wrusch: Abteilung für Mädelfragen), einem Mitglied der Liberal-Demokratischen Partei (Herbert Geisler: Abteilung für Sport, Jugendheime und Wandern) und zwei Kirchenvertretern Positionen zugesprochen.

Die restlichen neun Ämter wurden mit SED-Mitgliedern besetzt (Erich Honecker: Vorsitzender; Edith Baumann: Generalsekretärin; Hermann Axen: Organisationsbüro; Paul Verner: Abteilung für Presse, Rundfunk und Film; Gerhard Rolack: Abteilung für Finanzen; Werner Ruprecht: Abteilung für Schule; Ernst Müller: Abteilung für Arbeit und Sozialfürsorge; Rudolf Böhm: Abteilung für Studentenarbeit und Fridl Lewin: Abteilung für Kinderarbeit). Dies zeigt die Unterlegenheit der Nicht-Mitglieder der SED und stellt die Tatsache heraus, dass die signifikanten Positionen von den SED-Mitgliedern geleitet wurden und die Positionen mit geringerem Einfluss von den Mitgliedern anderer Parteien besetzt wurden.

In der Freizeit der FDJler stand ihnen ein großes Repertoire an sportlichen Aktivitäten zur Verfügung. Somit verbrachte die Jugend viel Zeit und Mühe mit dem Sport, denn der Sinn war nicht die Freude, die körperliche Ertüchtigung oder der Ausgleich zur Arbeit, sondern das Streben nach Anerkennung des DDR-Systems. Die Regierung wollte Gewinne, um zu demonstrieren, dass das sozialistische System dem kapitalistischen System des Westens überlegen war. Somit wurde der Sport als Propaganda für die Politik missbraucht.

Auch mit der Aussicht auf Tanzveranstaltungen, welche die sehr konservativ eingestellten Funktionäre nicht gerne sahen, da sich beide Geschlechter einander näher kamen und man so vielleicht den, kürzlich stattgefundenen, Krieg vergessen könnte, konnte man auch unpolitische junge Menschen erreichen. So warb man, dass im Anschluss politischer Veranstaltungen die Möglichkeit zum Tanzen bestehe.

Die FDJ-Jungend organisierte auch die Veranstaltung von Festivitäten wie zum Beispiel die Weltfestspiele (Sinn war die Willensbekundung der Jugend, Imperialismus und Krieg zu bekämpfen und Solidarität und Freiheit zu fördern), das Pfingstreffen (Deutschlandtreffen der Jugend für Frieden und Völkerfreundschaft) oder die Veranstaltung „Rock für den Frieden“ im Palast der Republik in Berlin. Oder die FDJler organisierten als Inhaber zahlreicher Klubhäuser unter anderem Veranstaltungen wie Chöre, Theatergruppen und Poetenseminare, aber auch Konzerte mit zum Teil westlichen Bands.

Außerdem wurden die FDJler zu Ernteeinsetzen geschickt, die von wirtschaftlicher Bedeutung geprägt waren. Die Bauern konnten die Ernte nicht alleine bewältigen und waren auf die Unterstützung der Jugendlichen angewiesen. Die Beteiligung war freiwillig, wurde aber erwartet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die FDJ politisches Instrument war, da sie der SED unterstand und durch die Mehrheit von SED-Mitgliedern aufgebaut und gesteuert wurde. Trotz der freiwilligen Mitgliedschaft in die FDJ folgten bis 1989 88% dem Mainstream und traten der Organisation bei. Entweder um den Nachteilen zu entgehen oder um eine weiterführende Schule (EOS) besuchen zu dürfen und zum Studium zugelassen zu werden.


Internetquellen:

http://www.zeitklicks.de/ddr/zeitklicks/zeit/alltag/jugend-in-der-ddr/freie-deutsche-jugend/

http://www.ddr-geschichte.de/Bildung/Schule/FDJ/fdj.html

Bildquellen:

http://www.wojcies.de/images/fdj-ausweis.jpg

http://www.jugendopposition.de/fileadmin/Redaktion/Bilder/Folgeserie/f_MDA_Fo_14612.jpg

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ad/Freie_Deutsche_Jugend.org/2000px-Freie_Deutsche_Jugend.svg.png

Buchquellen:

Bytyci, Mergim :FDJ-Freizeitorganisation oder politische Waffe? .Norderstedt 2007

Geist, Alexander/Schäfer, Dietmar: Auf einen Blick! .München 2007


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