Mainstream oder Abweichler? Jugend – Sein in der DDR

Folgt man der Erläuterung im Duden, wird mit „Mainstream“ oft in abwertender Weise eine vorherrschende „gesellschaftspolitische, kulturelle o.ä. Richtung“ in Verbindung gebracht. Als Gegensatz ist das Abweichen zu nennen, welches eine bewusste Abgrenzung von geltenden Bestimmungen ausdrückt. Die Lebensgestaltung in der DDR war gekennzeichnet durch ein Arrangieren oder ein Erdulden des Systems.

Die Jugendzeit sowohl heute als auch in der Zeit der DDR ist und war geprägt durch eine bewusste Abgrenzung von Werten und Normen der „älteren Generation“. Diese Phase ist durch ein starkes Ausprobieren verschiedener Identitäten gekennzeichnet und damit einhergehend ein Infragestellen vieler gesellschaftlicher, politischer und kultureller Gegebenheiten. In der Projektgestaltung wird der Versuch unternommen, die Grenzen der persönlichen Entfaltung in einem konformen Staat aufzuzeigen.

In verschiedenen Gebieten soll dabei ein „Eintauchen“ in individuelle Lebenswelten in der Zeit der DDR erfolgen. So bietet das Thema Mode einen Raum, um sich dem „Mainstream“ zu entziehen. Als Jugendweihe bezeichnet man eine festliche Initiation, die den Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter kennzeichnen soll. Wie damals findet sie noch heute im Alter von 14 Jahren statt. Die Jugendweihe in der DDR hatte eine große staatspolitische Bedeutung und galt als staatssozialistisches Fest. Anders als heute war die Teilnahme an der Jugendweihe keine komplett freie Entscheidung. Wenn man sich bewusst dagegen entschied an dieser Zeremonie teilzunehmen, konnte dies schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. Beispielsweise wurde auf den Schülern als auch den Eltern Druck gemacht und man musste sich „ellenlange“ Vorträge und Standpauken von Lehren und dem Direktor anhören.

Zusätzlich konnte es im Extremfall passieren, dass man nicht zur Oberschule zugelassen wurde, oder gar ein Studiumsverbot erhielt.

„Zumindest meine Eltern erzählten mir, dass sie niemanden aus ihren damaligen Schulen kannten, die die Jugendweihe verweigert hatten. Hauptsächlich lag es daran, dass sich keiner den Folgen und Strapazen einer Weigerung aussetzen wollte.“
(Sandra, Schülerin EGG, 16 Jahre)

Schon der Weihespruch, der auf keiner Jugendweihe fehlen durfte, machte prinzipiell deutlich, dass es doch „besser ist, sich dem System unterzuordnen“, wenn sie ein sorgenfreies Leben führen wollen.

Weihespruch:

Wollt ihr die Freiheit, so seid keine Knechte.
Wollt ihr das Gute, so schaffet das Rechte.
Wollt ihr die Ernte, so sichert die Saat.
Wollt ihr das Leben, so leistet die Tat.

Die Jugendweihe war der Gegenentwurf zur evangelischen Konfirmation und katholischen Firmung. Ebenfalls diente sie als Instrument zur Erziehung der Jugend im Sinne der marxistischenleninistischen Weltanschauung der SED- Ideologie.

In der Auseinandersetzung stellte sich die Frage, ob die FDJ – eine Plattform zur Freizeitgestaltung oder ein politisches Instrument war?

 

 

ffg

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